J.v.Segovia

Auszug aus den Fragmenten seiner Qur'an-Übersetzung
Johannes von Segovia

Aussprache:
arabisch:
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ca. 1395 - 14.5.1458 n.Chr.

Juan Alfonso de Segovia oder Johannes von Segovia  war ein spanischer Theologe des 15. Jh. n.Chr., der sich für die Position der Basler Konziliaristen einsetzte und damit gegen die Oberhoheit des Papstes über das Konzil eintrat. Seinen Lebensabend widmete er einer Übersetzung des Heiligen Qur'an.

Johannes wurde um 1395 in Segovia (Spanien) geboren und studierte an der Universität Salamanca Theologie. Nachdem er 1422 n.Chr. seinen Magister der Theologie abgelegt hatte, stieg er bald zu einem der einflussreichsten Professoren der Universität von Salamanca auf. 1432 wurde er von der Universität und König Johann II. von Kastilien als ihr Repräsentant zum Basler Konzil geschickt. Er verteidigte die Lehre der Jungfräulichkeit Marias (a.) und debattierte über Glaubensunterschiede mit den orthodoxen Christen aus Griechenland.

Als entschiedener Verfechter des Konziliarismus versuchte er zunächst den Konflikt zwischen Konzil und Papst Eugen IV., den er aus Florenz um 1435 noch kannte, zu beruhigen. Später wurde er aber einer der Hauptunterstützer der revolutionären Fraktion des Konzils. Er war anwesend als das Konzil den Papst als "hartnäckig" bezeichnete (28. Sitzung, am 1. Oktober 1437) und auch als der Papst zum Häretiker deklariert wurde (33. Sitzung, am 16. Mai 1439). Im März 1439 vertrat Juan de Segovia das Konzil in Mainz. Nachdem Papst Eugene IV. vom Konzil seines Amtes enthoben worden war, wurde er in das Komitee berufen, welches die Theologen aussuchen sollte, die den neuen Papst zu wählen hatten. Und so wurde er auch einer der 33 Theologen die am 5. November 1439 den Grafen Amadeus VIII. "der Friedfertige" von Savoyen zum historisch letzten sogenannten Gegenpapst Felix V. wählten. Dafür ernannte dieser Segovia am 12. Oktober 1440 zum Kardinal. Segovia vertrat Felix V. mehrmals. Als das Schisma (die Spaltung der Kirche) 1449 n.Chr. endete, trat er von seinem Kardinalsamt zurück und wurde vom neuen "gemeinsamen" Papst Nikolaus V. zum Titularerzbischof von Caesarea, das heißt ohne Aufgabenbereich, ernannt.

In seinem Lebensabend zog er sich in das spanische Kloster Ayton in Savoyen zurück. In dieser Zurückgezogenheit verfasst Segovia den Großteil seiner bis heute erhaltenen Schriften, die er der Bibliothek der Universität Salamanca vermachte. In diesen Jahren korrespondierte er auch mit führenden Theologen und Humanisten seiner Zeit, unter anderen Nikolaus von Kues, Jean Germain und Enea Silvio Piccolomini. Im Kloster widmete er sich vor allem dem Studium des Islam. Bei der Abfassung seines großen Werkes "Über den geistigen Kreuzzug gegen den Islam" erkannte er, dass die erste, inzwischen über 300 Jahre alte lateinische Übersetzung des Heiligen Qur'an sprachlich sehr unzuverlässig und ungenau war, und beschloss, zusammen mit dem muslimischen Gelehrten Isa Gidelli aus seiner Heimatstadt Segovia, eine neue, möglichst wörtliche Übersetzung anzufertigen. So kam das wohl spektakulärste christlichmuslimische Gemeinschaftsunternehmen des Mittelalters zustande: Isa übersetzte aus dem Arabischen ins Spanische, Johannes dann aus dem Spanischen ins Lateinische, wobei auch er nach und nach Arabisch lernte und manches Eigene zur Übersetzung beisteuerte. Diese dreisprachige Übersetzung (Arabischh-Spanisch-Lateinisch) sollte damals dem besseren Verständnis des Islam dienen.

Kurz nach der Fertigstellung der Übersetzung starb allerdings Johannes von Segovia in Ayton im Jahre 1459. Seine Bücher, darunter auch den dreisprachigen Qur'an, vermachte er seiner alten Universität in Salamanca. Doch ob er dort je ankam, ist unklar.

Als Segovias wichtigste Schrift gilt zwar die "Historia generalis concilii Basiliensis", eine umfangreiche Geschichte des Basler Konzils. Das liegt aber vor allem daran, dass sein eigentlich umfangreichstes Werk, seine Übersetzung des Heiligen Qur'an, lange Zeit als verschollen galt.

Erst im 21 Jh. wurde in einer mittelalterlichen Handschrift ein Fragment der verschollenen Übersetzung des Heiligen Qur'an entdeckt.  Der Bochumer Altsprachler und Religionsforscher im Centrum für Religionswissenschaftliche Studien der RUB (CERES) Prof. Dr. Reinhold Glei hat das Fragment zusammen mit dem Freiburger Theologen Priv.-Doz. Dr. Ulli Roth herausgegeben und ausführlich kommentiert.