Juan Alfonso de Segovia oder Johannes von Segovia war
ein spanischer Theologe des 15. Jh. n.Chr., der sich für die
Position der Basler Konziliaristen einsetzte und damit gegen
die Oberhoheit des Papstes über das Konzil eintrat. Seinen
Lebensabend widmete er einer Übersetzung des
Heiligen Qur'an.Johannes wurde um 1395 in Segovia
(Spanien) geboren und studierte an der Universität Salamanca
Theologie. Nachdem er 1422 n.Chr. seinen Magister der
Theologie abgelegt hatte, stieg er bald zu einem der
einflussreichsten Professoren der Universität von Salamanca
auf. 1432 wurde er von der Universität und König Johann II.
von Kastilien als ihr Repräsentant zum Basler Konzil
geschickt. Er verteidigte die Lehre der Jungfräulichkeit
Marias
(a.) und debattierte über Glaubensunterschiede mit den
orthodoxen Christen aus Griechenland.
Als entschiedener Verfechter des Konziliarismus versuchte
er zunächst den Konflikt zwischen Konzil und Papst Eugen IV.,
den er aus Florenz um 1435 noch kannte, zu beruhigen. Später
wurde er aber einer der Hauptunterstützer der revolutionären
Fraktion des Konzils. Er war anwesend als das Konzil den Papst
als "hartnäckig" bezeichnete (28. Sitzung, am 1. Oktober 1437)
und auch als der Papst zum Häretiker deklariert wurde (33.
Sitzung, am 16. Mai 1439). Im März 1439 vertrat Juan de
Segovia das Konzil in Mainz. Nachdem Papst Eugene IV. vom
Konzil seines Amtes enthoben worden war, wurde er in das
Komitee berufen, welches die Theologen aussuchen sollte, die
den neuen Papst zu wählen hatten. Und so wurde er auch einer
der 33 Theologen die am 5. November 1439 den Grafen Amadeus
VIII. "der Friedfertige" von Savoyen zum historisch letzten
sogenannten Gegenpapst Felix V. wählten. Dafür ernannte dieser
Segovia am 12. Oktober 1440 zum Kardinal. Segovia vertrat
Felix V. mehrmals. Als das Schisma (die Spaltung der Kirche)
1449 n.Chr. endete, trat er von seinem Kardinalsamt zurück und
wurde vom neuen "gemeinsamen" Papst Nikolaus V. zum
Titularerzbischof von Caesarea, das heißt ohne
Aufgabenbereich, ernannt.
In seinem Lebensabend zog er sich in das spanische Kloster
Ayton in Savoyen zurück. In dieser Zurückgezogenheit verfasst
Segovia den Großteil seiner bis heute erhaltenen Schriften,
die er der Bibliothek der Universität Salamanca vermachte. In
diesen Jahren korrespondierte er auch mit führenden Theologen
und Humanisten seiner Zeit, unter anderen Nikolaus von Kues,
Jean Germain und Enea Silvio Piccolomini. Im Kloster widmete
er sich vor allem dem Studium des
Islam.
Bei der Abfassung seines großen Werkes "Über den geistigen
Kreuzzug gegen den Islam" erkannte er, dass die erste,
inzwischen über 300 Jahre alte lateinische Übersetzung des
Heiligen Qur'an sprachlich sehr unzuverlässig und ungenau
war, und beschloss, zusammen mit dem
muslimischen
Gelehrten Isa Gidelli aus seiner Heimatstadt Segovia, eine
neue, möglichst wörtliche Übersetzung anzufertigen. So kam das
wohl spektakulärste christlichmuslimische
Gemeinschaftsunternehmen des Mittelalters zustande: Isa
übersetzte aus dem
Arabischen ins Spanische, Johannes dann aus dem Spanischen
ins Lateinische, wobei auch er nach und nach
Arabisch lernte und manches Eigene zur Übersetzung
beisteuerte. Diese dreisprachige Übersetzung (Arabischh-Spanisch-Lateinisch)
sollte damals dem besseren Verständnis des
Islam
dienen.
Kurz nach der Fertigstellung der Übersetzung starb
allerdings Johannes von Segovia in Ayton im Jahre 1459. Seine
Bücher, darunter auch den dreisprachigen
Qur'an,
vermachte er seiner alten Universität in Salamanca. Doch ob er
dort je ankam, ist unklar.
Als Segovias wichtigste Schrift gilt zwar die "Historia
generalis concilii Basiliensis", eine umfangreiche Geschichte
des Basler Konzils. Das liegt aber vor allem daran, dass sein
eigentlich umfangreichstes Werk, seine Übersetzung des
Heiligen Qur'an, lange Zeit als verschollen galt.
Erst im 21 Jh. wurde in einer mittelalterlichen Handschrift
ein Fragment der verschollenen Übersetzung des
Heiligen Qur'an entdeckt. Der Bochumer Altsprachler
und Religionsforscher im Centrum für
Religionswissenschaftliche Studien der RUB (CERES) Prof. Dr.
Reinhold Glei hat das Fragment zusammen mit dem Freiburger
Theologen Priv.-Doz. Dr. Ulli Roth herausgegeben und
ausführlich kommentiert.