Ruqaya bint Husain
Ruqaya bint Husain, Sukaina

Aussprache: ruqaya bint hußayn
arabisch:
رقية بنت حسين , سكينة
persisch:
رقية دختر حسين , سكينة
englisch: Ruqayyah bint Hussayn

20.7. od. 24.12.56 - 13.2. od. 5.3.61 n.d.H.

Bild: Schrein der Ruqaya in Damaskus 2004, als der Vorhof noch kein Dach hatte

Ruqaya bint Husain ist eine Tochter von Imam Husain (a.) und Umm Ishaq. Imam Husain (a.) gab ihr den Beinamen Sakina, da sie ihm viel Seelenfrieden schenkte.

Imam Husain (a.) hatte aber bereits eine ältere Tochter namens Sakina bint Husain, so dass die jüngere und bekanntere mit dem Namen "Sukaina" (die kleine Sakina, Sakinchen) gerufen wurde. Dennoch kommt es sowohl unter den Gläubigen als auch in den Geschichtsbüchern zu einigen Verwechslungen beider Personen, zumal sie auch beide in Damaskus begraben sind.

Der Schrein von Ruqaya bint Husains, also Sukainas, liegt in der Altstadt von Damaskus in der Nähe der Umayyaden-Moschee, während derjenige von Sakina bint Husain im Bab al-Saghir Friedhof im Süden der Altstadt liegt.

Ruqaya ist wohl an einem 20. Radschab oder 24. Dhul-Hidscha geboren. Sie war ein temperamentvolles Kind, voller Liebe und Heiterkeit mit einer hohen religiösen Bildung. Jeder liebte Sukaina. Sie liebte es im Heiligen Qur'an zu lesen und verpasste nie ein Ritualgebet auch bevor sie die religiöse Reife erreicht hatte. Bereits in jungen Jahren achtete sie auf ihre Verhüllung [hidschab].

Sukaina hatte eine besondere Bindung zu ihrem Onkel Abbas ibn Ali. Es heißt, dass er sie mehr als seine eigenen Kinder liebte. Wenn Sukaina etwas verlangte, ruhte Abbas nicht eher, als bis er ihren Wunsch erfüllt hatte.

Sukaina war dabei als die Karawane, die in Kerbela enden sollte, von Medina nach Mekka loszog und dann weiter in Richtung Kufa reiste. Während der Reise konnte man sehen, wie Abbas öfters zu jenem Sitz ritt, in der Sukaina saß, um sicherzustellen, dass es ihr an nichts mangelte.

In Kerbela merkte Sukaina, dass große Veränderungen bevorstanden. Als ab dem zweiten Muharram die Armeen Yazids sich sammelten, bat Imam Husain (a.) seiner Schwester Zainab, dass sie Sukaina daran gewöhne, ohne ihren Vater schlafen zu gehen. Sukaina ging in der Nacht zu ihrem Vater und Imam Husain (a.) musste sie sachte zu Zainab bringen.

Als ab dem siebten Muharram in Kerbela das Wasser knapp wurde, teilte Sukaina das wenige Wasser, was sie hatte, mit den anderen Kindern. Als es bald überhaupt kein Wasser mehr gab, sahen die durstigen Kinder voller Hoffnung auf Sukaina, aber da sie ihnen nicht helfen konnte, hatte sie Tränen in den Augen. Sukainas Lippen waren vor Durst gerissen. Die Schilderungen über Sukaina gelten als die tragischsten der Ereignisse von Aschura.

Am Tage von Aschura, als die Kämpfe sich dem Ende näherten, gab sie ihren Wasserbeutel Abbas ibn Ali. Er kämpfte sich bis an den Euphrat durch, um vor seinem eigenen bevorstehenden Martyrium Wasser für sie zu holen. Die Kinder versammelten sich mit ihren kleinen Bechern um Sukaina, sie wussten dass sobald Abbas Wasser bringen würde, Sukaina erst sicherstellen würde, dass ihr Durst gestillt werden würde, bevor sie selber etwas trinken würde. Als Sukaina jedoch Imam Husain (a.) mit dem Blut durchtränkten Schild ihres Onkels zurückkommen sah, wusste sie, dass ihr Onkel nicht mehr kommen würde. Ab diesem Tage klagte Sukaina nie wieder über Durst.

Sukaina wurde an dem Tag eine Waise. Aber sogar dann dachte sie zunächst an die anderen. Sie tröstete ihre Mutter wegen dem Tod den kleinen Abdullah ibn Husain und wenn sie eine andere Frau oder ein anderes Kind weinen sah, legte sie ihre Arme um sie. Sukaina fragte nie wieder jemanden nach Wasser und Zainab musste sie überreden, damit sie einige Schlucke trank, aber von sich aus fragte sie nie nach Wasser und klagte nie über Durst.

Ab Aschura lächelte jenes so oft lächelnde Mädchen nie mehr. Zusammen mit den Überlebenden wurde sie nach Kufa verschleppt. Die Bevölkerung erlebte sie als ein trauriges, in Gedanken versunkenes kleines Mädchen. Sehr oft setzte sie sich des Nachts auf. Sie wusste, dass ihr Weinen ihre Mutter und ihre Tante traurig machen würde, deshalb weinte sie leise und wischte ihre Tränen schnell fort. Von Kufa kam sie mit den anderen in das Gefängnis in Damaskus.

Eines Nachts legte Sukaina sich auf den kalten Boden des Gefängnisses zum schlafen. Für lange Zeit starrte sie in die Dunkelheit. Die Zeit des Morgengebets brach an. Sukaina lag noch immer mit weit offenen Augen. Ihre Mutter rief: „Wach auf Sukaina! Wach auf, es ist Zeit fürs Gebet mein Kind!“ Nur schmerzhafte Stille. Imam Zain-ul-Abidien (a.) ging zu der Stelle, an der Sukaina lag. Er legte seine Hand auf ihre Stirn. Sie war kalt. Er tat seine Hand an ihre Nase und ihren Mund. Sukaina hatte aufgehört zu atmen. Unter schluchzen sagte Imam Zain-ul-Abidien: "Von Gott kommen wir und zu ihm ist die Heimkehr [inna lillahi wa inna ilaihi radschiuun]". Das geschah am 13. Safar oder 5. Rabi-ul-Awwal 61 n.d.H..

Zainab hielt das verstorbene Kind, während Imam Zain-ul-Abidien (a.) das Grab in der Gefängniszelle aushob. In Anwesenheit ihrer Mutter und Tante wurde sie in der Gefängniszelle begraben. Später wurde ihr Grab verlegt in die unmittelbare Nähe des Palastes von Yazid in Damaskus bzw. der Umayyaden-Moschee.

Siehe dazu Bildergalerie Ruqayas (a.) Grabstätte.