Ruqaya bint
Husain ist eine Tochter von
Imam Husain (a.) und Umm Ishaq.
Imam Husain (a.) gab ihr den Beinamen
Sakina, da sie ihm viel Seelenfrieden schenkte.
Imam Husain (a.) hatte aber bereits eine ältere Tochter namens
Sakina bint Husain, so dass die jüngere und bekanntere mit dem Namen
"Sukaina" (die kleine Sakina, Sakinchen) gerufen wurde. Dennoch kommt es
sowohl unter den
Gläubigen als auch in den Geschichtsbüchern zu einigen
Verwechslungen beider Personen, zumal sie auch beide in
Damaskus begraben sind.
Der Schrein von
Ruqaya bint Husains, also Sukainas,
liegt in der Altstadt von
Damaskus in der Nähe der
Umayyaden-Moschee, während derjenige von
Sakina bint Husain im
Bab al-Saghir Friedhof im Süden der
Altstadt liegt.
Ruqaya ist wohl an einem 20.
Radschab
oder 24.
Dhul-Hidscha geboren. Sie
war ein temperamentvolles Kind, voller
Liebe und Heiterkeit
mit einer hohen religiösen Bildung.
Jeder liebte Sukaina. Sie liebte es im
Heiligen Qur'an zu lesen und verpasste nie
ein
Ritualgebet auch bevor sie die
religiöse Reife erreicht hatte. Bereits in jungen Jahren
achtete sie auf ihre
Verhüllung [hidschab].
Sukaina hatte eine besondere Bindung zu ihrem Onkel
Abbas ibn Ali. Es heißt, dass er sie mehr als seine eigenen Kinder
liebte. Wenn Sukaina etwas verlangte, ruhte
Abbas nicht eher,
als bis er ihren Wunsch erfüllt hatte.
Sukaina war dabei als die
Karawane, die in
Kerbela enden sollte, von
Medina
nach
Mekka loszog und dann weiter in Richtung
Kufa
reiste. Während der Reise
konnte man sehen, wie
Abbas öfters zu jenem Sitz ritt, in der
Sukaina saß, um
sicherzustellen, dass es ihr an nichts mangelte.
In
Kerbela merkte Sukaina, dass große Veränderungen
bevorstanden. Als ab dem zweiten
Muharram die Armeen
Yazids sich sammelten, bat
Imam Husain (a.) seiner Schwester
Zainab, dass sie Sukaina daran gewöhne, ohne ihren
Vater
schlafen zu gehen. Sukaina ging in der
Nacht zu ihrem
Vater
und
Imam Husain (a.) musste sie sachte zu
Zainab bringen.
Als ab dem siebten
Muharram in
Kerbela das
Wasser knapp
wurde, teilte Sukaina das wenige
Wasser, was sie hatte, mit den
anderen Kindern. Als es bald überhaupt kein
Wasser mehr gab,
sahen die durstigen Kinder voller Hoffnung auf Sukaina, aber da
sie ihnen nicht helfen konnte, hatte sie Tränen in den Augen. Sukainas Lippen waren vor Durst gerissen. Die Schilderungen
über Sukaina gelten als die tragischsten der Ereignisse von
Aschura.
Am Tage von
Aschura, als die Kämpfe sich dem Ende näherten, gab sie ihren
Wasserbeutel
Abbas ibn Ali. Er
kämpfte sich bis an den
Euphrat durch, um vor seinem eigenen bevorstehenden
Martyrium
Wasser für sie zu holen. Die Kinder versammelten sich
mit ihren kleinen Bechern um Sukaina, sie wussten dass sobald
Abbas
Wasser bringen würde,
Sukaina erst sicherstellen
würde,
dass ihr Durst gestillt werden würde, bevor sie selber etwas
trinken würde. Als Sukaina jedoch
Imam Husain (a.) mit dem Blut
durchtränkten Schild ihres Onkels zurückkommen sah, wusste sie, dass ihr
Onkel nicht mehr kommen würde. Ab diesem Tage klagte Sukaina
nie wieder über Durst.
Sukaina wurde an dem Tag eine
Waise. Aber sogar dann dachte sie zunächst an die anderen.
Sie tröstete ihre Mutter wegen dem Tod den kleinen
Abdullah ibn Husain
und wenn sie eine andere Frau oder ein anderes Kind weinen
sah, legte sie ihre Arme um sie. Sukaina fragte nie wieder
jemanden nach
Wasser
und
Zainab musste sie
überreden, damit sie einige Schlucke trank, aber von sich aus
fragte sie nie nach
Wasser und klagte nie über Durst.
Ab
Aschura lächelte jenes so oft lächelnde Mädchen nie mehr.
Zusammen mit den Überlebenden wurde sie nach
Kufa
verschleppt. Die Bevölkerung erlebte sie als ein trauriges, in
Gedanken versunkenes kleines Mädchen. Sehr oft setzte sie sich
des Nachts auf. Sie
wusste, dass ihr Weinen ihre Mutter und ihre Tante traurig machen würde,
deshalb weinte sie leise und wischte ihre Tränen schnell fort.
Von Kufa
kam sie mit den anderen in das Gefängnis in
Damaskus.
Eines Nachts legte Sukaina sich auf den kalten Boden des
Gefängnisses zum schlafen. Für lange Zeit starrte sie in die
Dunkelheit. Die Zeit des Morgengebets brach an. Sukaina lag
noch immer mit weit offenen Augen. Ihre Mutter rief: „Wach auf
Sukaina! Wach auf, es ist Zeit fürs Gebet mein Kind!“ Nur
schmerzhafte Stille.
Imam Zain-ul-Abidien (a.) ging zu der Stelle, an der
Sukaina lag. Er legte seine Hand auf ihre Stirn. Sie war kalt.
Er tat seine Hand an ihre Nase und ihren Mund. Sukaina hatte
aufgehört zu atmen. Unter schluchzen sagte Imam Zain-ul-Abidien:
"Von Gott kommen wir und zu ihm ist die
Heimkehr [inna lillahi wa inna ilaihi radschiuun]". Das
geschah am 13.
Safar
oder 5.
Rabi-ul-Awwal 61
n.d.H..
Zainab hielt das verstorbene Kind, während
Imam Zain-ul-Abidien (a.) das Grab in der Gefängniszelle
aushob. In Anwesenheit ihrer Mutter und Tante wurde sie
in der Gefängniszelle begraben. Später wurde ihr Grab verlegt in
die unmittelbare Nähe des Palastes von
Yazid in
Damaskus bzw. der
Umayyaden-Moschee.
Siehe dazu
Bildergalerie Ruqayas (a.) Grabstätte.