Said Nursi wurde im Jahre 1873 in Nurs in der
Türkei geboren (Nursi bedeutet "aus
Nurs").
Aus einfachen bäuerlichen Verhältnissen stammend, legten seine
Eltern, deren viertes Kind er war, wert auf Bildung und eine
religiöse Erziehung. Saids erster Lehrer war sein älterer
Bruder Abdullah. Mit neun Jahren zog Said aus, die Medresen
bekannter Gelehrter in Doğubeyazıt in der Provinz Agri, in
Siirt und Mardin zu absolvieren. Er zeigte bereits als Knabe im Alter von 9 Jahren wissenschaftliches Interesse und lernte viele Bücher.
Seine Gelehrsamkeit brachte ihm frühzeitig einigen Ruhm ein.
Dieser Ruf bewegte den Gouverneur der Provinz Van, ihn in
seiner Residenz zu beherbergen. In der Privatbibliothek des
Gouverneurs fand er Zugang zu Standartwerken der
modernen Wissenschaften.
Ausgehend von seinem Reformansatz
Wissenschaft für die Theologen und Religion für die
Naturwissenschaftler zu gewährleisten verfolgte er das Projekt
der Gründung einer Universität in den östlichen Provinzen des
Osmanischen Reichs, in der parallel islamisch-theologische
Wissenschaften und Naturwissenschaften gelehrt werden sollten.
1907 brach er nach
Istanbul auf, in der Hoffnung am Hof des Sultans
Abdülhamid II. Unterstützung für sein Projekt zu erhalten,
allerdings ohne Erfolg.
1908 unterstützte er die Einführung des Parlamentarischen Systems öffentlich,
da er dies und die Freiheitsbestrebungen im Land konform mit dem Islam sah. Er
wurde jedoch der Teilnahme an der Erhebung konservativer Kreise am 31. März 1909
bezichtigt. Das Gerichtsverfahren endete mit einem Freispruch.
1910 veröffentlichte er sein erstes Buch und verließ
Istanbul wieder in
Richtung Osten. Im Frühjahr 1911 hielt er in der Umayyaden-Moschee von
Damaskus eine Rede
und im Sommer jenes Jahres begleitete er als Vertreter östlicher Provinzen
Mehmed V. auf
einer Balkanreise. Dabei wurde ihm Unterstützung für seine geplante Hochschule
in Van zugesagt.
Als der I. Weltkrieg ausbrach, führte er ein
Freiwilligenregiment im Kampf gegen russische Truppen an der
Kaukasus-Front. 1916 wurde er gefangen und in Kostroma
nordöstlich von Moskau interniert. In den Wirren nach der
Oktoberrevolution konnte er im Frühjahr 1918 fliehen und
kehrte über Berlin, Wien, Ungarn und Bulgarien nach
Istanbul zurück. Dort wurde er Mitglied der "Dar-ül-Hikmet-i
Islamiye", einer bedeutenden islamischen Lehranstalt, und
publizierte mehrere Bücher. Nach der Besetzung der Stadt durch
britische Truppen, gehörte er zu den Religionsgelehrten, die
zum Widerstand aufriefen.
Said Nursi wurde 1922 wegen seines hohen Ansehens als
Gelehrter und aufgrund seiner Verdienste nach Ankara geladen,
um bei der Neugründung und Gestaltung der Türkei mitzuwirken.
Er hielt eine Rede vor der provisorischen Nationalversammlung,
die mit Zustimmung aufgenommen wurde. Mit Atatürk überwarf er
sich jedoch, weil Said Nursis Vorstellungen nicht mit dessen
Vision einer nach westlichen Vorbild modernisierten Türkei und
der totalen Loslösung von Religion vereinbar waren. 1923 zog
sich Said Nursi nach Van zurück, um sich religiösen Studien zu
widmen.
1925 wurde er in Folge der kurdischen Aufstände wie andere
Persönlichkeiten und Stammesführer in die Verbannung
geschickt. Er wurde nach Burdur, verbracht. 1927 wurde er
schließlich dazu gezwungen, sich in dem Dorf Barla in der
Provinz Isparta niederzulassen. Er lebte dort in einem
Holzhaus und zog sich oft tagelang in die Berge zurück. In
jener Zeit entstanden seine Schriften zum
Heiliger Qur'an die er zum Teil einer Reihe von Schülern
diktierte. Die Mitschriften wurden in dem Dorf Sava von Hand
in arabischer Schrift vervielfältigt und überall in Anatolien
verteilt.
1935 wurde er in Eskişehir vor Gericht gestellt und zu elf
Monaten Haft verurteilt, wegen Förderung der inzwischen aus
dem öffentichen Leben verbannten Religion. Nach der Entlassung
wurde er nach Kastamonu verbannt. In dieser Provinzhauptstadt
stießen seine Lehren über die Vereinbarkeit von Religion und
Wissenschaft bei Oberschülern auf Interesse. 1943 wurde ein
weiterer Prozess in Denizli anberaumt, der jedoch mit einem
Freispruch endete, da Gutachter in seinen Schriften keinen
Aufruf zum Aufruhr erkennen konnten. Said Nursi muss sich
danach in Emirdağ in Afyonkarahisar niederlassen.
1948 wird zum letzten Mal ein Prozess gegen Said Nursi
angestrengt. Vor dem Gericht in Afyon wird er wegen der
Gründung einer politischen Vereinigung, der Verbreitung
regimefeindlicher Gedanken und der Verfolgung politischer
Absichten angeklagt. Mit ihm stand eine Anzahl seiner Anhänger
vor dem Richter. Das Verfahren wird jedoch ausgesetzt und
endete 1956 unter veränderten politischen Rahmenbedingungen
mit einem Freispruch.
Said Nursi unterstütze in der Nachkriegsepoche ab 1946 den
Übergang zum Mehrparteiensystem. Er rief seine Anhänger zur
Unterstützung der Demokratischen Partei von Adnan Menderes
auf. Von ihm erhoffte er sich die demokratisch-freiheitliche
Entwicklung des Landes und ein Ende der Verfolgungen. Sie
gewann 1950 die absolute Mehrheit in der Großen
Nationalversammlung. 1951 wurde seine Verbannung aufgehoben.
Said Nursi konnte sich nun frei im Land bewegen und ließ sich
in Isparta nieder. Die Politik von Menderes befürwortete er
außerdem, weil er die
Türkei in das westliche Bündnissystem integrierte (NATO,
Bagdad-Pakt, Teilnahme am Koreakrieg). Nach seiner Auffassung
erforderte die kommunistische Bedrohung die Zusammenarbeit von
Muslimen und
Christen. Er korrespondierte daher mit dem Papst und dem
griechisch-orthodoxen Patriarchen und erhielt die Erlaubnis,
seine Werke in lateinischer Schrift drucken zu lassen. 1956
wurde ihm die Publikation seiner Werke auch in der
Türkei erlaubt.
Kurz vor seinem Tod beschloss er nach Urfa aufzubrechen.
Dort übernachtete er in einem Hotel wo er viele hunderte
Besucher empfing. In der Nacht des 23. März 1960 verstarb er
und wurde in der Moschee aufgebart wo seine Freunde und
Schüler ihm bis zum Morgengebet neben ihm den
Heiligen Qur'an rezitierten. Gleich nach dem
Morgengebet wurde das
Ritualgebet für Verstorbene für ihn verrichtet und er
wurde auf dem Areal
beigesetzt auf dem nach Auffassung mancher
Abraham (a.) begraben liegt. Nachdem im folgenden Mai das
türkische Militär Adnan Menderes gestürzt hatte, öffnete im
Juli ein Trupp Soldaten unter Leitung des späteren
rechtsextremen Politikers Alparslan Türkeş Said Nursis Grab.
Sein Leichnam wurde an einem unbekannten Ort in der Provinz
Isparta beigesetzt.
Ausgehend von den Lehren Said Nursis entstand nach seinem
Ableben die Nurculuk-Bewegung.
Said Nursis Lehren sind in 14 Büchern, die etwa 6000 Seiten
umfassen und die in ihrer Gesamtheit Risale-i Nur („Das Licht
des Koran“) genannt werden, dargelegt.
Von seinen Anhängern wird er in
Anlehnung an eine dem
Prophet Muhammad (s.) zugesprochene Überlieferung "Beduizzaman"
("der Erneuerer der Zeit", der angeblich jeweils am Anfang
eines Jahrhunderts erscheint) genannt. Zur Zeit sind seine Werke in mehrere Sprachen übersetzt. Seine Originalwerke
sind zum größten Teil osmanisch, aber auch Arabisch und Persisch.