Mansur war der zweite
Kalif
der
Abbasiden und herrschte 754-775 n.Chr..
Mansur übernahm unter 754 n.Chr. die Herrschaft von seinem
Bruder
Abul-Abbas
as-Saffah. Nachdem er schon seinen Bruder bei der
Regierung unterstützt hatte, musste er seine Herrschaft
zunächst gegen seinen Onkel Abdallah ibn Ali durchsetzen, der
allerdings bald von Abu Muslim, dem Wesir von
Chorasan besiegt wurde. Als dieser nun als eigentlicher
Begründer der Abbasiden-Dynastie zu mächtig wurde, ließ ihn
Mansur 755 töten. Große Probleme hatte Mansur anfänglich mit
den Anhängern der
Ahl-ul-Bait (a.).
Muhammad Nafs az-Zakiyya
hatte nicht vergessen, dass Mansur immer noch verpflichtet war, ihn als
Kalifen zu
akzeptieren; auch Mansur konnte es nicht vergessen haben. Die Lösung für Mansurs
war, alle Nachkommen
Imam Hasans (a.)
auszulöschen.
Im Jahre 144
n.d.H. kam Mansur nach
Medina, wo er in einer einzigen umfassenden Maßnahme
die gesamte Nachkommenschaft von
Imam Hasan (a.) festnehmen und nach
Bagdad bringen ließ.
Imam Hasans (a.) Nachkommen hatten sowohl physisch als auch psychisch enorme Torturen zu
erleiden. Nun wollte Mansur sich den rechtmäßigen und moralischen Verpflichtungen dieser
Huldigung entledigen. Es war nicht nur eine Frage seines eigenen Gewissens; er hatte die
Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass er der verfassungsmäßige und rechtmäßige
Kalif war.
Um dies zu gewährleisten, hielt er nach der Massenverhaftung folgende
verlogene öffentliche Rede.
"Bei Allah, wir ließen den Nachkommen
Abu Talibs und dem
Kalifat ihren freien
Lauf. Wir mischten uns keineswegs darin ein.
Ali ibn Abu
Talib wurde Kalif. Nach ihm wurde
Hasan ibn Ali der
Kalif. Bei Allah, er hatte es nicht verdient. Ihm war Geld angeboten
worden, das er annahm.
Muawiya ibn Abu Sufyan sandte ihm eine Nachricht, dass er ihn zu seinem Nachfolger
machen würde. Also verzichtete
Hasan auf Kalifat, Herrschaft und Macht. Er überließ
alles Muawiya und wandte seine Aufmerksamkeit den Frauen zu, indem er heute eine Frau
heiratete und sich morgen bereits von einer anderen scheiden ließ. Damit fuhr er fort,
bis er in seinem Bett starb." (Al-Mas'ûdi in Murûj ud-Dhahab, B. 3, S. 226)
In dieser Rede verbreitete er die von
Abbasiden frei
erfundenen Verleumdungen gegen die
Ahl-ul-Bait (a.)
und insbesondere gegen
Imam Hasan (a.).
Das Schwerpunkt dieser Ansprache war, dass Muhammad Nafs az-Zakiyya keinen Anspruch auf
das Kalifat hatte, da dessen Urgroßvater,
Imam Hasan (a.),
angeblich auf diese Macht verzichtet haben
soll. Er schrieb auch einen entsprechenden Brief an Muhammad Nafs az-Zakiyya, der sich immer noch auf
freiem Fuß befand und dabei war, eine Armee zum Kampf gegen Mansur aufzubauen:
"Das Kalifat deines Vorfahren (Ali) ging an Hasan über. Er verkaufte es an
Muawiya für Geld und Kleidung. Nun, wenn du irgendeinen Anspruch auf das Kalifat
hättest, hättest du es längst verkauft und den Gegenwert dafür erhalten."
Doch Mansur wusste, dass diese Auseinandersetzung lediglich das unmittelbare Problem
der Huldigung an Muhammad Nafs az-Zakiyya lösen würde. Sie konnte jedoch keinen von
Imam Husains
(a.) Nachkommen daran hindern, das bestehende unrechtmäßige Kalifat anzuzweifeln. Deshalb ließ er
nichts unversucht, um zu beweisen, dass die Nachkommen
Fatimas
(a.) keinen Anspruch auf das Erbe des
Prophet Muhammad (s.) hätten und
dass die Abbasiden seine (s) rechtmäßigen Erben seien.
Nachdem Aufstände der Anhänger Abu Muslims in
Chorasan (755) und der
Schiiten in
Kufa
und Medina
(762 n.Chr.) niedergeschlagen waren, widmete sich Mansur dem
Ausbau der Reichsverwaltung.
Mansur versuchte die Herrschaft des
Kalifen
als gottgewolltes
Schicksal zu interpretieren. Er setzte dabei durch,
dass der
Kalif
seinen Nachfolger frei bestimmen kann um Machtkämpfe nach
seinem Tod zu verhindern.
Als Höhepunkt seiner Regierung gründete Mansur am 1. August
762 mit
Bagdad
die neue Hauptstadt des Kalifats. Diese Stadt sollte schnell
zur bedeutendsten wirtschaftlichen und kulturellen Metropole
der muslimischen Welt aufsteigen. Er schuf für das ganze Reich ein zentrales Verwaltungssystem, das von der Hauptstadt Bagdad aus gesteuert wurde. Dabei unterstützten ihn Wezire aus der Familie der aus dem
Iran stammenden Barmakiden, die für zahlreiche der folgenden
Abbasidenherrscher ebenfalls von großer Bedeutung sein sollten. Durch die Beteiligung der Barmakiden an der Regierungsverantwortung verstärkte sich der iranische Einfluss im
Abbasidenreich. Das kommt zum Ausdruck durch die Tatsache, dass sassanidische Hof- und Verwaltungstechniken eingeführt wurden,
dass aber auch mehr und mehr persische Kultur und Kunst an Einfluss gewann.
Gleichzeitig wurde die islamische Orthodoxie betont, um damit
zugleich dem wachsenden Reich der
Abbasiden eine einheitliche ideologische Grundlage zu
verschaffen.
Nach dem Tod von Mansur (775 n.Chr.) folgte ihm der von ihm
designierte Sohn
Mahdi.