Lesarten des Qur'an
Lesarten des Qur'an [ahruuf]

Aussprache: qira-a-tul-qur-aan
arabisch:
قراءات القرآن , أحروف
persisch:
englisch: Qira'a of Koran

Bild: Rezitation des Heiliger Qur'an durch den hochbegabten Dr. Sayyid Muhammad Husain Tabatabai

Als Lesart des Heiligen Qur'an werden die unterschiedlich möglichen Rezitationen des Heiligen Qur'an bezeichnet.

Es gibt mehrere Lesarten des Heiligen Qur'an obwohl die Buchstabenfolge jeweils absolut identisch ist. Dies hängt zum einen mit der arabischen Sprache zusammen, da die Schriftsprache im Wesentlichen aus Konsonanten besteht und die Vokale durch den Leser hinzugefügt werden. Frühere Exemplare des Heiligen Qur'an habe keine Vokalisation, die erst später durch eine zusätzliche Zeichengebung vereinheitlicht wurde. Darüber hinaus gibt es viele Stellen, die durch unterschiedliche "Halteregeln" zu sich ergänzenden Aussagen kommen können.

Beispiel hierfür sind zwei unterschiedliche Lesarten beim zusammenhängenden Verlesen 4. und 5. der 97. Sure durch unterschiedliche Halteregeln:

  1. Die Engel und der Geist kommen in ihr herab mit Erlaubnis ihres Herrn mit jedem Gebot. Frieden währt bis zum Anbruch der Morgenröte.
  2. Die Engel und der Geist kommen in ihr herab mit Erlaubnis ihres Herrn mit jedem Gebot des Friedens. Sie währt bis zum Anbruch der Morgenröte.

Die Lesarten unterscheiden sich in Vokalisation, Konsonantenverdopplung, Aussprache der "a"-Laute und Vokalfärbung, Aussprachelänge bzw. -unterdrückung, Nasalierung und Pausen.

In vielen historischen Werken wird von sieben verschiedenen zulässigen Lesarten ausgegangen, die Ibn Mudschahid (gest. 324 n.d.H./936 n.Chr.) nennt:

  1. Nafi’ (gest. 169 n.d.H. / 785 n.Chr.)
  2. Ibn Kathir (gest. 120/737)
  3. Abu Amr ibn Al-Ala (gest. 154/762)
  4. Ibn Amir (gest. 154/762)
  5. Asim (gest. 127/744)
  6. Hamza (gest. 156/772)
  7. Al-Kisa’i (gest. 189/904)

Sie unterscheiden sich im Wesentlichen nur durch den arabischen Dialekt, mit dem sie rezitiert werden.