Hermann Hesse
Hermann Hesse

Aussprache:
arabisch:
هرمان هيسه
persisch:
هرمان هيسه
englisch: Hermann Hesse

2.7.1877 - 9.8.1962

Bild: Foto von 1927

Hermann Hesse war ein deutsch-schweizerischer Dichter, Schriftsteller und Freizeitmaler. Sein bekanntes Werk "Siddhartha" ist in fast alle Sprachen der Muslime übersetzt worden. Es erschien 1922.

Hermann Karl Hesse wurde am 2. Juli 1877 in Calw geboren und starb am 9. August 1962 in Montagnola (Schweiz). Ihm wurden unter anderem 1946 der Nobelpreis für Literatur und 1955 die Friedensklasse des Ordens „Pour le Mérite“ verliehen.

Seine Eltern waren im Auftrag der Basler Mission in Indien tätig, wo Hesses Mutter Marie Gundert (1842–1902) auch geboren worden war. Die Erfahrungen  in Indien prägten Hesses Werk sowie seine Äußerungen zu Muslimen. Einstmals sagte er über Muhammad Iqbal: "Drei Reichen des Geistes gehörte Sir Muhammad Iqbal an, drei Reiche des Geistes sind Quellen seines gewaltigen Werkes: die Welt Indiens, die Welt des Islam und die des abendländischen Denkens." Die Stadt Istanbul nannte Hesse in seiner "Reise ins Morgenland" die schönste Stadt der Welt.

Im Gedenken an Hesse wurden zwei Literaturpreise nach ihm benannt: der Calwer Hermann-Hesse-Preis und der Karlsruher Hermann-Hesse-Literaturpreis.

Viele seiner Gedichte spiegeln ein Menschenbild wieder, welches der islamischen Vorstellung sehr nahe kommt.

„Das Leben, das ich selbst gewählt"
Ehe ich in dieses Erdenleben kam,
ward mir gezeigt, wie ich es leben würde:
Da war Kümmernis, da war Gram,
da war Elend und Leidensbürde.
Da war Laster, das mich packen sollte,
da war Irrtum, der gefangen nahm,
da war der schnelle Zorn, in dem ich grollte,
da waren Haß und Hochmut, Stolz und Scham.

Doch da waren auch die Freuden jener Tage,
die voller Licht und schöner Träume sind,
wo Klage nicht mehr ist und nicht mehr Plage
und überall der Quell der Gaben rinnt.
Wo Liebe dem, der noch im Erdenkleid gebunden,
die Seligkeit des Losgelösten schenkt,
wo sich der Mensch der Menschenpein entwunden
als Auserwählter hoher Geister denkt.

Mir war gezeigt das Schlechte und das Gute,
mir ward gezeigt die Fülle meiner Mängel.
Mir ward gezeigt die Wunde, draus ich blute,
mir ward gezeigt die Helfertat der Engel.
Und als ich so mein künftig Leben schaute,
da hört' ein Wesen ich die Frage tun,
ob ich dies zu leben mich getraue,
denn der Entscheidung Stunde schlüge nun.

Und ich ermaß noch einmal alles Schlimme –
„Dies ist das Leben, das ich leben will!"
gab ich zur Antwort mit entschloss'ner Stimme
und nahm auf mich mein neues Schicksal still.
So ward ich geboren in diese Welt,
so wars, als ich ins neue Leben trat.
Ich klage nicht, wenn's oft mir nicht gefällt,
denn ungeboren hab' ich es bejaht.