Prof. Abdoldjavad Falaturi war ein bedeutender
islamischer Gelehrter im
deutschsprachigen Raum und Vermittler zwischen
Islam und Abendland. Prof. Falaturi wurde
am 19.Januar 1926 in
Isfahan geboren. Er durchlief nach seiner Schulzeit im
Iran
verschiedene Studiengänge: Mehrere Jahre studierte er traditionell-islamisch an mehreren
islamischen Hochschulen. Er schloss sie in
Maschhad mit dem Grad eines
Rechtsgelehrten [mudschtahid]. Seine
philosophischen und theologischen Studien beendete er mit der Lehrerlaubnis für
verschiedene islamische Philosophierichtungen.Viele seiner damaligen
Schriften werden von der Islamischen Akademie in Hamburg
aufbewahrt. Eines seiner Ziele war es, Meinungsunterschiede
zwischen Sunniten und
Schiiten in Deutschland zu überwinden und die überwiegenden Gemeinsamkeiten
beider Richtungen wissenschaftlich zu dokumentieren. Dies spiegelte sich auch in
seinem Bemühen um einen deutschsprachigen Dachverband der
Muslime wieder, er war Gründungsmitglied des Zentralrats der
Muslime in Deutschland (ZMD).
Er war bei den ersten
Anfängen der bundesweiten islamischen Begegnung im Jahre 1986 dabei, aus der später der
"Islamische Arbeitskreis in Deutschland" entstand. Seine Aktivität als
Gründungsmitglied dieses Gremiums und des später daraus entstandenen ZMD blieb
ungebrochen, stets stand er dem ZMD mit Rat und Tat zur Seite. Falaturis Verdienste um den
Gesamtislam kommen nicht zuletzt dadurch zum Ausdruck, dass ihn die
Al-Azhar-Universität zum Mitglied des "Obersten Rates für die
Angelegenheiten der Islamischen Welt" ernannte.
Als Kenner auch abendländisch-wissenschaftlicher Methoden förderte Falaturi durch
seine rechts-, wirtschafts-, und politikwissenschaftlichen, philosophischen und
religionsdialogischen Arbeiten das Gespräch des
Islam mit der übrigen Welt, insbesondere
durch die 1978 von ihm mitgegründete "Islamische Wissenschaftliche Akademie" in
Köln. Um der Überforderung und Entfremdung der
Muslim
in der Westliche Welt,
zunächst vor allem in Deutschland, entgegenzuwirken und gegenseitige Vorurteile und
Missverständnisse abzubauen, wurde das Kölner Schulbuchanalyseprojekt gegründet, das
seit 1981 alle in Deutschland zugelassenen Schulbücher aller Fächer auf ihr Islambild
hin untersuchte. 1988 wurde das nationale Projekt zum internationalen Forschungsprojekt
"Islam in Textbooks" erweitert. Falaturis wissenschaftliches Hauptziel bestand
darin, den Islam in einer zeitgemäßen Form darzustellen und die Hindernisse, die seiner
zeitgemäßen Darstellung im Wege stehen, wissenschaftlich aufzuarbeiten.
Er verstarb
30.Dezember 1996 in Berlin an den Folgen eines Herzinfarkts, den er am 23.Oktober 1996 in Berlin bei einem Dialogseminar erlitten hatte.
Eine darauf folgende Operation und die lange Intensivbehandlung blieben
erfolglos. Prof. Abdoldjavad Falaturi wurde in seiner
Geburtsstadt Isfahan beigesetzt.