Blinde und Elefant
Blinde und Elefant

Aussprache:
arabisch:
persisch:
فیل و کوران
englisch: The b
lind and an elephant

Bild: Mauerzeichnung in Nordostthailand

Die Geschichte der Blinden und des Elefanten gilt als Meisterwerk der Mystik [tasawwuf] im Verständnis um Wahrheit. Einer der Ersten, der sie veröffentlicht hat, war Sanai. Später ist sie auch bei Dschalaleddin Rumi in abgewandelter Form zu finden. Bereits vorher ist die Geschichte aber im Buddhismus bekannt.

Die Geschichte bei Sanai in seinem "Der ummauerte Garten der Wahrheit" lautet wie folgt:

Jenseits von Ghor lag eine Stadt. Alle ihre Einwohner waren blind. Eines Tages kam ein König mit seinem Gefolge in die Nähe; er brachte sein Heer mit und lagerte in der Wüste. Er besaß einen mächtigen Elefanten.

Die Bevölkerung war begierig, den Elefanten zu sehen, und einige aus dieser Gesellschaft von Blinden rannten los, um ihn zu finden. Nachdem sie nicht einmal wussten, was für eine Form oder welchen Umriss ein Elefant hat, betasteten sie ihn blindlings, um durch die Berührung seiner Körperteile Aufschluss zu erhalten. Jeder bildete sich ein, etwas zu wissen, weil er einen Teil fühlen konnte.

Als sie zu ihren Mitbürgern zurückkehrten, wurden sie von aufgeregten Gruppen umringt; jeder einzelne dieser Blinden war begierig die Wahrheit von denen zu erfahren, die doch selber in Blind waren. Sie fragten wie der Elefant geformt sei und welche Gestalt er habe, und die hörten sich alles an, was man ihnen erzählte.

Der Mann, der das Ohr des Elefanten betastet hatte, wurde nach dem Wesen des Elefanten gefragt. Er sage: "Er ist ein großes, raues Etwas, weit und breit wie eine Decke." Und der den Rüssel betastet hatte, sagte: "Ich weiß, was es wirklich ist! Er ist wie eine gerade und hohle Röhre, furchterregend und gefährlich." Derjenige aber, der den Fuß und die Beine gefühlt hatte, sagte: "Er ist mächtig und fest gleich einer Säule." Jeder hatte nur einen Teil des Ganzen betastet. Alle hatten es falsch verstanden. Keiner begriff das Ganze: Erkenntnis ist nicht die Gefährtin der Blinden.

Diese Geschichte ist bekannter in der Version Rumis - "Der Elefant im dunklen Haus", die im "Mathnawi" steht.